{"id":290,"date":"2019-07-06T06:46:59","date_gmt":"2019-07-06T06:46:59","guid":{"rendered":"https:\/\/andres-moysich.de\/?page_id=290"},"modified":"2019-07-07T10:24:22","modified_gmt":"2019-07-07T10:24:22","slug":"fall-2-dyskalkulie-rechenstoerung","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/andres-moysich.de\/index.php\/beispielhafte-falldokumentationen\/fall-2-dyskalkulie-rechenstoerung\/","title":{"rendered":"2. Fall: Dyskalkulie\/Rechenst\u00f6rung"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>Rechenst\u00f6rung (Dyskalkulie) <\/strong>M\u00e4dchen, 10 Jahre<\/p>\n\n\n\n<p style=\"text-align:center\">DOKUMENTATION f\u00fcr den \u00f6ffentlichen Tr\u00e4ger der Eingliederungshilfe<\/p>\n\n\n\n<p><em><strong>Therapieplan &amp; Abschlussbericht wg. Einrichtungswechsels (Erstbewilligung)<\/strong><\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Sehr\ngeehrte Frau J,<\/p>\n\n\n\n<p>heute\nm\u00f6chte ich Ihnen berichten \u00fcber meine lerntherapeutische Behandlung\nvon S T.<\/p>\n\n\n\n<p>Inzwischen\nhat S  b e i   m i r  nach dem Wechsel in meine Praxis an 7 TE\nteilgenommen. Insgesamt aber sind 39 TE erteilt worden.<\/p>\n\n\n\n<p>Ihnen,\nliebe Frau J, m\u00f6chte ich f\u00fcr die ausf\u00fchrlichen Informationen\ndanken, die Sie gemeinsam  mit Ss Mutter Frau T und S im HPG\nerarbeitet und aussagekr\u00e4ftig dokumentiert haben.<\/p>\n\n\n\n<p>Ss Mutter Frau T hat mir sachdienliche Hinweise auf Ss schulischen Unterrichtsstoff im Fach Mathematik gegeben, so dass ich die Diagnostik f\u00fcr das symptomspezifische Dyskalkulie-Training gut individualisieren konnte, um S dort abzuholen, wo sie leistungsm\u00e4\u00dfig steht.<\/p>\n\n\n\n<p>Basierend\nauf den sowohl f\u00f6rderdiagnostisch als auch mit normierten\nTestverfahren erhobenen Ergebnissen des Leistungsstandes unserer\ngemeinsamen o. g. Patientin m\u00f6chte ich Ihnen heute den notwendigen\nDyskalkulie-Therapieverlauf skizzieren.<\/p>\n\n\n\n<p>So\ndurfte ich feststellen, dass S bereits zu Beginn unserer\nZusammenarbeit \u00fcber einige mathematische Basisfunktionen verf\u00fcgte,\nwobei aber eine deutliche Konfusion im Stellenwertsystem zu\nbeobachten war und ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Ss\nmathematische  V o r l \u00e4 u f e r f e r t i g k e i t e n  wie das\nVerst\u00e4ndnis f\u00fcr Mengen und Zahlen, die handelnden F\u00e4higkeiten zur\nAddition (und auch Subtraktion) mit konkreten Objekten, das\nnumerische Vergleichen und die Abfolgen sind inzwischen altersgem\u00e4\u00df\nentwickelt.<\/p>\n\n\n\n<p>Auch\nden Teilaspekt der Eins-zu-Eins-Zuordnung des Z\u00e4hlprozesses\nbeherrscht S. \n<\/p>\n\n\n\n<p>Nicht\nklar ist S aber, dass die Reihenfolge der Zahlen f\u00fcr das b\u00fcndelnde\nRechnen irrelevant ist; hier ist ein Relikt des z\u00e4hlenden Rechnens\nzu beobachten, das sich mit der \u00c4hnlichkeit zum Ordinalaspekt der\nZahl f\u00fcr S verwirrend vermengt.<\/p>\n\n\n\n<p>Das\nTranskodieren f\u00e4llt S noch schwer und ist defizit\u00e4r. So treten\ngeh\u00e4uft Stellenwertfehler beim Lesen\/Schreiben von Ziffern (salopp\nmit dem Begriff \u201eZahlendreher\u201c verharmlost) in gr\u00f6\u00dferen Zahlen\nauf. \n<\/p>\n\n\n\n<p>Dieses\nmacht vor allem ein erfolgreiches Kopfrechnen nahezu unm\u00f6glich.<\/p>\n\n\n\n<p>Ss\nFaktenwissen ist unvollst\u00e4ndig, was logisch aus der retardierten\nhirnbiologischen Reifung in den f\u00fcr das Rechnen notwendigen\nHirnregionen resultiert. Es musste zwangsweise ein hoher\nLernr\u00fcckstand auftreten, da S in den ersten Schuljahren dem\nschulischen Lernstoff im Rechnen nicht hatte folgen k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die\n A s y n c h r o n i t \u00e4 t  zwischen den beeintr\u00e4chtigten\nTeilfunktionen und den hochentwickelten ist ausgepr\u00e4gt. Dieses ist\nin erster Linie f\u00fcr S selbst sehr schwer zu ertragen.<\/p>\n\n\n\n<p>Zudem\nbesteht wegen der Asynchronit\u00e4t im Besonderen die Problematik, dass\nS oft \u00fcberfordert ist, da ihr wegen ihrer Intelligenz bisweilen mehr\nzugetraut wird, als sie auf Grund der Beeintr\u00e4chtigung in\nTeilfunktionen leisten kann.<\/p>\n\n\n\n<p>Die\neinfache Arithmetik gelingt S inzwischen besser. So haben sich die\nunreifen Rechenprozeduren und ineffizienten Strategien beim Rechnen\nverringert.<\/p>\n\n\n\n<p>S\nschon zu Beginn unserer Zusammenarbeit in der Lage, im zweistelligen\nZahlenraum zu addieren, weil sie die Partnerzahlen auswendig kennt\nund auch die Wichtigkeit dieser Kombinationen f\u00fcr das Rechnen im\n10er-System nachzuvollziehen in der Lage ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Mit\nentsprechendem Anschauungsmaterial hat S jetzt auch eine Vorstellung\nvon den Zahlen im Tausenderbereich, so dass wir nun Ss Fertigkeiten\nauf die Zehntausenderzahlen zu \u00fcbertragen beginnen, um hier\nm\u00f6glichst den Anschluss an den Klassenstoff herzustellen.<\/p>\n\n\n\n<p>Diese\nnicht mit dem schulischen Curriculum \u00fcbereinstimmende Reihenfolge,\nerst den Zahlenraum zu erweitern, ehe wir uns der Subtraktion,\nMultiplikation und Division kleinerer Zahlen widmen, habe ich in\neiner ausf\u00fchrlichen und beidseits inspirierenden Beratung mit Ss\nneuer Mathematiklehrerin Frau K abgestimmt.<\/p>\n\n\n\n<p>Da\nS in der Lage ist, dem aktuellen Unterrichtsstoff in Mathematik, den\nFrau K zudem \u00e4u\u00dferst differenziert individualisiert, im Bereich der\nschriftlichen Addition zu folgen, haben wir abgesprochen, dass wir in\nder Therapie einige der mannigfaltigen verschiedenen vorhergehend\nunterrichteten Algorithmen bei der Nacharbeitung der vergangenen\nSchuljahre auszulassen. Es ist sinnvoller, S die aktuellen\nSchreibweisen intensiv n\u00e4her zu bringen.<\/p>\n\n\n\n<p>Lediglich\neinzelne Varianten des halbschriftlichen Addierens werde ich mit S\nsp\u00e4terhin trainieren, weil sie dieses Grundwissen f\u00fcr\nPlausibilit\u00e4tsbetrachtungen ben\u00f6tigen wird (sch\u00e4tzen z. B.).<\/p>\n\n\n\n<p>Hierzu\nk\u00f6nnen wir als Anschauungsmaterial Geld nehmen, da sich\nW\u00e4hrungsrechnen in Anbetracht von Ss inzwischen erweiterten\nWissensstandes gut eignet.<\/p>\n\n\n\n<p>Ss prozessuales Wissen kann sukzessive aufgebaut werden, damit alle Grundrechenarten erarbeitet sein werden.<\/p>\n\n\n\n<p>S\nhat k\u00fcrzlich bei Frau K erfolgreich eine Leistungs\u00fcberpr\u00fcfung im\nBereich der Addition absolviert.<\/p>\n\n\n\n<p>Es\nist zudem beachtenswert, dass S dedizierte Verst\u00e4ndnisfragen zu\nstellen vermag.<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\"><li>Fazit\n<\/li><\/ul>\n\n\n\n<p>Zusammenfassend\nhoffe ich deutlich gemacht zu haben, dass S besonders aufgrund ihrer\nh\u00f6chstmotivierten Arbeitshaltung auf einem sehr guten Weg ist, es\naber noch weitere wichtige mathematische Inhalte wie vor allem die\nGrundrechenarten und Sachaufgaben zu erarbeiten gilt.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich\nbitte Sie, liebe Frau J deswegen inst\u00e4ndig um die Bewilligung einer\nFortsetzung der Dyskalkulie-Therapie, sofern dieses im Rahmen Ihrer\nVorgaben m\u00f6glich ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Familie\nT erh\u00e4lt eine Zweitschrift dieses Berichts.<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr\nR\u00fcckfragen stehe ich gerne zur Verf\u00fcgung.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich\nhoffe, Sie mit diesen Angaben unterst\u00fctzt zu haben, und verbleibe<\/p>\n\n\n\n<p>mit\nfreundlichem Gru\u00df<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Dipl.-P\u00e4d.\nFriederike Ch. Andr\u00e9s-Moysich<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p style=\"text-align:center\">-____________________________-                  <\/p>\n\n\n\n<p><em><strong>Therapieplan (Zweitbewilligung)<\/strong><\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Sehr\ngeehrte Frau J,<\/p>\n\n\n\n<p>inzwischen\nhat S an 17 TE der Folgebewilligung teilgenommen.<\/p>\n\n\n\n<p>Heute\nm\u00f6chte ich Ihnen ausf\u00fchrlich von meiner weiteren Zusammenarbeit mit\nS berichten.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich\nbeziehe mich auf meinen Vorbericht.<\/p>\n\n\n\n<p>Es\nist unumg\u00e4nglich, dass ich mich unverhohlen gleich zu Beginn der\nimmensen Schwierigkeiten widme, die Ss \u00e4u\u00dferst ausgepr\u00e4gte\nDyskalkulie mit sich bringen.<\/p>\n\n\n\n<p>Ss\nNot tritt sogar physisch durch beobachtbaren erh\u00f6hten Muskeltonus\nw\u00e4hrend des \u00dcbens in Erscheinung.<\/p>\n\n\n\n<p>S\narbeitet sehr motiviert und angestrengt mit.<\/p>\n\n\n\n<p>Durch\ndie enorme Belastung bewegt sich S best\u00e4ndig an der Grenze der\nFrustration. Ich finde es beeindruckend, wie beharrlich S sich stetig\nbem\u00fcht, obwohl sich kaum Nachhaltigkeit einstellen mag. \n<\/p>\n\n\n\n<p>Wir\nmussten uns nochmals den Therapieinhalten zuwenden, die bereits in\nder vorherigen Praxis thematisiert worden waren.<\/p>\n\n\n\n<p>Die\nnachstehenden Ausf\u00fchrungen m\u00f6gen auf den ersten Blick in krassem\nWiderspruch zu meinen bisherigen Angaben stehen, was sich aber\naufl\u00f6sen l\u00e4sst:<\/p>\n\n\n\n<p>Es\nist schon so, dass S vor Ort in der den Therapieeinheiten (TE) viel\nversteht und auch anwenden kann, aber dieses ist nicht von\nnachhaltigem Erfolg gekr\u00f6nt.<\/p>\n\n\n\n<p>Lediglich\ndas Lesen und Benennen gro\u00dfer Zahlen beherrscht S inzwischen\ndauerhaft besser, auch wenn sie es aus dem Stand ohne aktualisierte\nkurzfristige Wiederholung einer Erkl\u00e4rung erledigen soll.<\/p>\n\n\n\n<p>So\nschrieb ich Ihnen vor einigen Monaten, dass S das 1 x 3 in der TE\nerarbeitet habe und am Ende der TE die Aufgaben sogar in zuf\u00e4lliger\nReihenfolge m\u00fcndlich l\u00f6sen konnte. Trotz der  t\u00e4glichen\nWiederholung zuhause und auch wiederkehrendes \u00dcbens in der Therapie,\nhat S die Aufgaben weder aus dem Kurzzeitged\u00e4chtnis in das\nmittelfristige Ged\u00e4chtnis noch denn in das Langzeitged\u00e4chtnis\ntransportieren k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p>Ebenso\nist es um alle Rechenverfahren bestellt, die wir bislang erarbeitet\nhaben, was auch in der Schule beobachtet wird, wie mir Ss Mutter Frau\nT berichtet hat.<\/p>\n\n\n\n<p>Es\nist S nicht m\u00f6glich, beispielsweise das schriftliche Addieren\ndurchzuf\u00fchren, ohne kurzfristig vorher eine Anleitung an bis zu drei\nBeispielaufgaben zu bekommen. \n<\/p>\n\n\n\n<p>Auch\ndann reproduziert S den Algorithmus lediglich am Beispiel orientiert,\nindem sie das Vorgehen aus den Beispielaufgaben \u00fcbertr\u00e4gt. Die\nBeispiele d\u00fcrfen hierbei nicht abgedeckt werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Wenn\ndie Zahlen beim Addieren vorher nebeneinanderstehen, kann S die\nZahlen nach wie vor nicht stellenwertsortiert untereinander\nschreiben.<\/p>\n\n\n\n<p>Das\nPrinzip der Stellenwerttafel ist S nicht auswendig klar.<\/p>\n\n\n\n<p>Zwar\nkann S gr\u00f6\u00dfere Zahlen in die Tabelle einsortieren, wenn ich es ihr\nan einigen Beispielen gezeigt habe, aber sie vergisst die Methode\numgehend. Wenn wir am Anfang der TE derartige Aufgaben bearbeiten und\nuns danach aber etwas Anderem zuwenden, kommt S am Ende der TE wieder\nhilflos vor den Aufgaben zu sitzen, die sie eine halbe Stunde vorher\nnoch l\u00f6sen \u201ekonnte\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p>Dieses\nalles ist so, wie es ist, obwohl ich immer mit Anschauungsmaterial\narbeite, um S auch ein haptisches Erleben zu bieten. Die Erweiterung\nder Abstraktion auf die ikonische Ebene ist bereits schwierig f\u00fcr S\nund auch nicht von Nachhaltigkeit belohnt.<\/p>\n\n\n\n<p>Im\nFazit lernt S derzeitig jedes Verfahren auswendig, kann es aber nicht\nspeichern, wie wir j\u00fcngst an der Multiplikation von 100er bis\n10.000er Zahlen leider deutlich beobachten mussten.<\/p>\n\n\n\n<p>Addieren\/Subtrahieren\nund Multiplizieren\/Dividieren der 10.000er Zahlen\nauseinanderzuhalten, ist S v\u00f6llig unm\u00f6glich. Sie wei\u00df nicht, was\n\u201edie vielen Nullen\u201c bedeuten und kann somit nicht verstehen,\nwarum man unterschiedlich damit umgehen muss.<\/p>\n\n\n\n<p>Der\nDivision haben wir uns zudem in der Therapie noch nicht zuwenden\nk\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p>Als\nich nun nochmals weit im Stoff zur\u00fcckgegangen bin, um den\nneuropsychologischen Ursachen mit projektiven Verfahren auf den Grund\nzu gehen, habe ich feststellen m\u00fcssen, dass in Ss Vorstellung noch\nimmer alle Zahlen wie auf einem Band hintereinander aufgef\u00e4delt\nsind.<\/p>\n\n\n\n<p>Zwar\nhat S schon bemerkt, dass sie bei der Addition zwei- und\nmehrstelliger Zahlen die Ziffern \u201eirgendwie\u201c zusammenrechnen\nsoll, aber das Stellenwertsystem ist ihr auch mit Zehnerst\u00e4ben und\nEinerkl\u00f6tzchen nur sehr bedingt klar, auch wenn ich es durch\nHandlung begleitet in Worte fasse.<\/p>\n\n\n\n<p>Wenn\nS die Aufgabe 16+3= zerlegend (!) l\u00f6sen soll, ergibt es 10, da S\nalle Ziffern addiert (auch dieses durch Weiterz\u00e4hlen -&gt; 17, 18,\n19).<\/p>\n\n\n\n<p>Soll\nS eine Addition ohne vorherigen Hinweis auf die Zerlegung l\u00f6sen,\nz\u00e4hlt sie. So kann sie zwar f\u00fcr beispielsweise 34+17= ein richtiges\nErgebnis pr\u00e4sentieren, braucht aber nat\u00fcrlich sehr lange daf\u00fcr\n(35, 36, 37, 38, 39, 40, 41, 42, 43, 44, 45, 46, 47, 48, 49, 50, 51).<\/p>\n\n\n\n<p>Ich\nrevidiere meinen bisherigen Eindruck, dass S zeitnah die aktuellen\nAlgorithmen des vierten Schuljahres erlernen kann, denn ohne die hier\nals defizit\u00e4r beschriebenen numerischen Grundlagen ist ein\nVerst\u00e4ndnis des aktuellen Stoffes unm\u00f6glich.<\/p>\n\n\n\n<p>Auch\nohne Ss ausgepr\u00e4gte Ged\u00e4chtnisschw\u00e4che f\u00fcr numerische Inhalte\nbr\u00e4chte ein Auswendiglernen und mechanisches Anwenden keinen\nWissens- und Fertigkeitszuwachs. Das  V e r s t e h e n  ist\nnotwendig und kann ausschlie\u00dflich durch fortw\u00e4hrendes  H a n d e l\nn  nebst sprachlicher Begleitung durch mich erworben werden. S\nben\u00f6tigt also dringend weiterhin umfangreiche handlungsspezifische\nsprachlich erkl\u00e4rend unterlegte F\u00f6rderung im zerlegenden Rechnen.\nBislang hat sie auch die Aufgaben des zweiten Schuljahres stets\nz\u00e4hlend gel\u00f6st, indem sie beim ersten Summanden beginnend\nweitergez\u00e4hlt hat.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich\nteile den Eindruck der Lehrerin Frau K, dass es keinen Sinn macht,\nwenn S alleine vor den alten Arbeitsheften aus dem zweiten Jahrgang\nsitzt, wie es bei der vorherigen Lehrerin ablief. Denn S. konnte\nbislang keinerlei Knowhow \u00fcber das zerlegende Rechnen speichern.\nDieses Vorgehen der vorherigen Lehrkraft ist zwar vordergr\u00fcndig\ndifferenzierend, aber sinnbefreit.<\/p>\n\n\n\n<p>Noch\nweniger zielf\u00fchrend ist es, S mit dem vollst\u00e4ndigen aktuellen\nmathematischen Unterrichtsstoff weiterhin zu konfrontieren, denn es\nermangelt die Basis. Es war einen Versuch wert, aber seitdem Ss\nMerkschw\u00e4che f\u00fcr mathematische Inhalte so deutlich dekodiert werden\nkonnte, kann das nicht der weiterf\u00fchrende Weg sein.<\/p>\n\n\n\n<p>Es\nmuss am V e r s t \u00e4 n d n i s  des zerlegenden Rechnens im\nZahlenraum bis 20 mit Anschauungsmaterialien gearbeitet werden. Ich\ngebe S nach den Osterferien solches mit, wie wir es immer wieder in\nder Therapie benutzen. Ein Wechsel zwischen verschiedenen Materialien\nist unbedingt zu vermeiden, da er zwar den Wunsch der Erwachsenen\nnach Abwechslung erf\u00fcllt, aber ein so stark ausgepr\u00e4gt dyskalkules\nKind wie S str\u00e4flich verwirrt. \n<\/p>\n\n\n\n<p>Familie\nT erh\u00e4lt eine Zweitschrift dieses Berichts.<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr\nR\u00fcckfragen stehe ich gerne zur Verf\u00fcgung.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich\nhoffe, Sie mit diesen Angaben unterst\u00fctzt zu haben, und verbleibe<\/p>\n\n\n\n<p>mit\nfreundlichem Gru\u00df<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Dipl.-P\u00e4d. Friederike Ch. Andr\u00e9s-Moysich<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p style=\"text-align:center\">-______________________________-<\/p>\n\n\n\n<p> <em><strong>Abschlussbericht Zweitbewilligung<\/strong><\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Sehr\ngeehrte Frau J,<\/p>\n\n\n\n<p>inzwischen\nhaben wir 35 TE des aktuellen Kontingents verbraucht.<\/p>\n\n\n\n<p>Deswegen\nm\u00f6chte ich Ihnen wieder von Ss Entwicklung berichten, wobei ich mich\nauf meine Vorberichte beziehe.<\/p>\n\n\n\n<p>S\nhat im Rahmen ihrer M\u00f6glichkeiten gute fachliche Fortschritte in\nMathematik gemacht.<\/p>\n\n\n\n<p>Aber\nich muss nochmals in Erinnerung rufen, dass S von einer ausgepr\u00e4gten\nForm der Dyskalkulie betroffen ist, sodass sie in der Grundschule\nnicht den Anschluss an das schulische Curriculum geschafft hat.<\/p>\n\n\n\n<p>Im\nSommer ist S auf die IGS P gewechselt und hat Aufnahme in der\nInklusionsklasse gefunden. Da diese Klasse aus nur 18 Sch\u00fcler\/innen\nbesteht und von zwei Klassenlehrer\/innen und einer F\u00f6rderlehrerin\nunterrichtet wird, ist das f\u00fcr S auch aufgrund ihrer mittelgradigen\nAufmerksamkeitsst\u00f6rung bestimmt von erheblichem Nutzen.<\/p>\n\n\n\n<p>Es hat S in den ersten Wochen des Schuljahres sehr entlastet, dass seitens der Schule wenig Fokus auf das Rechnen gelegt wurde. Das Konzept sah vor, dass die Kinder sich zuerst in Projekten kennen lernen sollten und Kernkompetenzen des zwischenmenschlichen Umgangs sowie des Lernens gef\u00f6rdert wurden.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich habe diese Zeit genutzt, um S den Grundschullehrstoff in Mathematik zu vermitteln, den sie in der vierten Klasse nicht aufzunehmen in der Lage gewesen war.<\/p>\n\n\n\n<p>Leider\nf\u00e4llt es S auch im therapeutischen Setting sehr schwer, neue\nRechenalgorithmen zu erlernen. Wir geraten immer noch oft an Ss\nGrenzen der Belastbarkeit, so dass sich ihre psychische Anspannung\nbisweilen trotz ihrer hohen Eigenmotivation in aversiv get\u00f6ntem\nArbeitsverhalten niederschl\u00e4gt.<\/p>\n\n\n\n<p>S\nist so angestrengt, dass sie immer wieder mit Mutlosigkeit zu k\u00e4mpfen\nhat.<\/p>\n\n\n\n<p>Dieses\nm\u00fcssen wir als massives Warnsignal wahrnehmen und S einen Rahmen\nschaffen, in dem sie sich ihrem eigenen Tempo gem\u00e4\u00df neue\nSachverhalte aneignen kann.<\/p>\n\n\n\n<p>Positiv\nist hier, dass im schulischen Umgang mit Mathematik bewusst Ma\u00df\ngehalten wird. Inzwischen hat der regul\u00e4re Mathematik-Unterricht\nbegonnen, aus dem ersichtlich ist, dass die verantwortlichen\nLehrer\/innen die Kinder auf dem inhaltlichen Leistungsstand der\ndritten Klasse abholen, um zu sehen, ob die mathematischen\nBasiskompetenzen vorhanden sind.<\/p>\n\n\n\n<p>So\nhatte S neben der Anstrengung in unseren TE, in denen ich ihr die\nschriftliche Multiplikation und Division zu vermitteln versuche,\nerfreulicherweise in der Schule gute Erfolgserlebnisse. Dort war es\nThema, Hunderterzahlen zu addieren und zu subtrahieren.<\/p>\n\n\n\n<p>Dieses\ngelingt S inzwischen sehr gut.<\/p>\n\n\n\n<p>Es\nist ein gro\u00dfer Fortschritt, denn wie Sie wissen, liebe Frau J, hat S\nunter einer extremen Merkschw\u00e4che f\u00fcr Rechenalgorithmen gelitten.<\/p>\n\n\n\n<p>Dass\nS sich die schriftliche Addition und Subtraktion \u00fcber die\nSommerferien hatte als Kompetenz erhalten k\u00f6nnen, ist ein\neindeutiges Indiz daf\u00fcr, dass die Hirnstrukturen reifen.<\/p>\n\n\n\n<p>Trotzdem\nsehen wir eben die erheblichen N\u00f6te dabei, sich weitere Algorithmen\nanzueignen, die aus der Grundschulzeit noch fehlen.<\/p>\n\n\n\n<p>S\nwird in K\u00fcrze in der Schule vor die Situation gestellt, dass sie in\nder Multiplikation und Division noch nicht auf dem Stand der vierten\nKlasse ist. Das wird problematisch. \n<\/p>\n\n\n\n<p>So\nist S noch unsicher im Umgang mit den Stellenwerten, was ihr bei\nErweiterung des Zahlenraums zum Verh\u00e4ngnis werden kann. Auch die\nZahlen im Zahlenraum bis zu einer Million kann S nur unter\nangestrengter Konzentration benennen. Das Schreiben dieser Zahlen\nnach Diktat bereitet S noch gr\u00f6\u00dfere Schwierigkeiten.<\/p>\n\n\n\n<p>Sachaufgaben\nerschlie\u00dfen sich S nur bedingt, da sie zu wenig \u00dcbung darin hat,\ndie vorgegebene Alltagssprache den geforderten Rechenoperationen\nzuzuordnen. Allerdings hilft es S sehr, wenn man die Sachverhalte auf\nder ikonischen Ebene mit Hilfe von Skizzen darstellt. Das ist ein\nKompetenzzuwachs dahingehend, dass S die Handlungs-\/Rechenoperation\nnur noch selten auf der haptischen Ebene vorgef\u00fchrt bekommen muss.<\/p>\n\n\n\n<p>Zu\nbeobachten war Ss weiterentwickelte Wahrnehmung dieser Fertigkeiten\njetzt auch in dem Mathematik-Unterrichtsthema \u201eDiagramme lesen und\nerstellen\u201c. Das ist sehr erfreulich und f\u00fcr S motivierend, hier am\nregelhaften Unterrichtsstoff mitgearbeitet zu haben.<\/p>\n\n\n\n<p>Es\nbleibt abzuwarten, wie die Lehrkr\u00e4fte mit Ss Wissensl\u00fccken aus dem\nGrundschulcurriculum umgehen werden. Es beruhigt mich aber, dass S\nihre Lehrer\/innen sehr sch\u00e4tzt, was f\u00fcr ein so sensibles Kind wie S\nin dieser Gesamtsituation sehr hilfreich ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein\nbesonderes Augenmerk ist darauf zu halten, wie an der IGS P mit dem\nNachteilsausgleich umgegangen wird. Auf Nachfrage von Ss Mutter hin\nhatte der Schulleiter die Auskunft gegeben, dass es keinen\nNachteilsausgleich, sondern F\u00f6rderpl\u00e4ne gebe.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein\nF\u00f6rderplan macht nat\u00fcrlich Sinn, aber S hat keinen\nsonderp\u00e4dagogischen F\u00f6rderbedarf. Deswegen muss sie zwar\nselbstredend entsprechend ihrer Individualit\u00e4t gef\u00f6rdert werden,\naber trotzdem als Nachteilsausgleich z. B. eine 1&#215;1-Karte benutzen\nd\u00fcrfen bzw. mehr Zeit bei Tests bekommen.<\/p>\n\n\n\n<p>Es\nw\u00e4re fatal, wenn S in der Inklusionsklasse auf dem Niveau der\nbisherigen F\u00f6rderschule f\u00fcr lernschwache Sch\u00fcler\/innen\nunterrichtet und bewertet w\u00fcrde.<\/p>\n\n\n\n<p>Schauen\nwir in meinen letzten Bericht, sehen wir einen erheblichen\nWissenszuwachs. S ist auf einem guten Weg.<\/p>\n\n\n\n<p>Trotzdem habe ich hoffentlich darlegen k\u00f6nnen, dass S noch therapeutische Unterst\u00fctzung braucht \u2013 sowohl kleinschrittige symptomspezifisch intendierte systematische \u00dcbungsbehandlung als auch vor allem psychischen Beistand beim Umgang mit der Dyskalkulie, um die sekund\u00e4re Folgeproblematik aufzufangen.<\/p>\n\n\n\n<p>Es\nwird f\u00fcr S schwierig werden, wenn sie nach den ersten Erfolgen auf\nder neuen Schule durch den moderaten Einstieg in die Thematik nun\nbald wieder vor ihren Wissensdefiziten zu stehen kommen wird.<\/p>\n\n\n\n<p>Durch\nSs unverschuldeten Therapeutinnenwechsel ist auch Zeit verloren\ngegangen, weil S sich umstellen musste, was f\u00fcr ein so offenporiges\nKind durchaus eine Belastung darstellt.<\/p>\n\n\n\n<p>Deswegen\nbitte ich Sie, liebe Frau J, im Rahmen Ihrer Vorgaben \u00fcber einen\nFolgeantrag positiv zu entscheiden.<\/p>\n\n\n\n<p>Familie\nT erh\u00e4lt eine Zweitschrift dieses Berichts.<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr\nR\u00fcckfragen stehe ich gerne zur Verf\u00fcgung.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich\nhoffe, Sie mit diesen Angaben unterst\u00fctzt zu haben, und verbleibe<\/p>\n\n\n\n<p>mit\nfreundlichem Gru\u00df<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Dipl.-P\u00e4d.\nFriederike Ch. Andr\u00e9s-Moysich<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p style=\"text-align:center\">-______________________________-<\/p>\n\n\n\n<p><em><strong>Therapieplan (Drittbewilligung)<\/strong><\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Sehr\ngeehrte Frau J,<\/p>\n\n\n\n<p>heute\nm\u00f6chte ich Ihnen mitteilen, wie Ss Dyskalkulie-Therapie fortgesetzt\nwerden soll. Ich danke Ihnen f\u00fcr die z\u00fcgige Ausstellung der\nFolgebewilligung.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich\nbeziehe mich wieder auf meiner Vorberichte.<\/p>\n\n\n\n<p>Vom\naktuellen Kontingent haben wir inzwischen 4 TE verbraucht.<\/p>\n\n\n\n<p>Mit\nBezug auf die ausgepr\u00e4gte Form der Dyskalkulie, von der S betroffen\nist, muss ich Ihnen berichten, dass wir in den letzten TE gravierende\nR\u00fcckschritte aufgedeckt haben.<\/p>\n\n\n\n<p>S\nhat die basalen Grundlagen des Zehnersystems nicht dauerhaft\ngespeichert. Zwar kann S Mengen dinglich dargestellt absch\u00e4tzen,\naber sie kann diese Mengenvorstellung nicht abrufen, wenn sie\nlediglich Zahlzeichen pr\u00e4sentiert bekommt.<\/p>\n\n\n\n<p>Die\n\u201eZiffern-Blindheit\u201c ist ein Leitsymptom der Dyskalkulie und\ngepaart mit Ss Schwierigkeit, die Verk\u00fcpfung von Mengenbild und\nZahlzeichen zu speichern und sich vor ihr geistiges Auge zu rufen.<\/p>\n\n\n\n<p>Dadurch\nh\u00e4lt sich die Desorientierung im Stellenwertsystem behaarlich,\nsodass z. B. S die Aufgabe 70-7 mit dem Ergebnis 0 falsch l\u00f6st.<\/p>\n\n\n\n<p>Als\nich sie die Aufgabe mit Montessori-Material habe legen und l\u00f6sen\nlassen, war sie \u00fcberfordert, weil S mit den Zehnerstangen und\nEiner-Kl\u00f6tzchen nicht die entsprechenden Zahlen verbunden hat.<\/p>\n\n\n\n<p>Wir\nhaben versucht, an die Aufgabe 53-3 zu erinnern. Ich habe erwartet,\ndass S diese Aufgabe leichter falle, weil sie keinen Zehner\u00fcbergang\nenth\u00e4lt. Aber S war ratlos und betr\u00fcbt. Als ich die Zahl gelegt\nhabe und S gebeten habe, drei Einer wegzunehmen, fragte mich S, ob\nich drei Stangen oder Kl\u00f6tze meine.<\/p>\n\n\n\n<p>S\nkann sich nicht mehr daran erinnern, dass sie die Aufgaben vor einem\nJahr auch in der Schule schon mit Hilfe der rein ikonischen\nDarstellungen von Zehnern und Einern, also einer h\u00f6heren Stufe der\nAbstraktion &#8211; hatte l\u00f6sen k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p>Der\nZusammenhang zwischen dieser Aufgabe und der schriftlichen\nSubtraktion ist S nicht mehr klar.<\/p>\n\n\n\n<p>Die\nSchwierigkeiten r\u00fchren daher, dass S keine Mengenvorstellung hat\nbzw. nicht mehr auf Zahlzeichen zu \u00fcbertragen wei\u00df (s. oben).<\/p>\n\n\n\n<p>In\nSs Vorstellung sind Zahlen immer noch gez\u00e4hlte Schritte, die\nhintereinander auf einer langen Stra\u00dfe liegen (Zahlenstrahl). S kann\nzehn Schritte nicht mit zehn Muggelsteinen, N\u00fcssen, Perlen o. \u00e4.\ngleichsetzen.<\/p>\n\n\n\n<p>Ihre\nErfolge mit h\u00f6heren Zahlen erzielte S bislang nur, weil sie auf\nGrund ihrer Intelligenz offensichtlich gut darin ist, mechanische\nRechenvorg\u00e4nge auswendig zu lernen. Dieses ist selbstredend nicht\nvon Nachhaltigkeit gepr\u00e4gt (Merkschw\u00e4che), so dass sich nun die\nDefizite erneut offenbaren. \n<\/p>\n\n\n\n<p>Legt\nS die Zahl 57 mit Einerkl\u00f6tzchen und Zehnerst\u00e4ben, z\u00e4hlt sie 5\nSt\u00e4be ab und 7 Einerkl\u00f6tzchen. Dass man 10 Einerkl\u00f6tzchen gegen\neinen Stab tauschen kann und alle Zehnerst\u00e4be bei zweistelligen\nZahlen in der ersten Position gez\u00e4hlt werden, ist S nicht mehr\neing\u00e4ngig, obwohl wir dieses zusammen so erlernt hatten.<\/p>\n\n\n\n<p>Z\u00e4hlt\nman aber mit S \u2013 simultan auf Papier schreibend &#8211; bis zur 60, um\nihr zu verdeutlichen, dass immer wieder 1, 2, 3, 4, 5, 6, 7, 8, 9 und\nbei der 0 im Einer die Zehnerstelle um eine gr\u00f6\u00dfer wird, kann S\nfolgen. Stellenwerte Z und E sind ihr trotzdem ein R\u00e4tsel (\u2192\nauswendig gelernte Zahlenreihe).<\/p>\n\n\n\n<p>Mechanisch\nkann sich S trotzdem weiterhin im Hunderterfeld orientieren, was aber\nwertlos ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Es\nist also unsere Aufgabe, dass S das Zehnersystem durchdringt. Sie\nmuss begreifen, dass man immer 10 b\u00fcndelt. B\u00fcndelung aber ist bei\nstarker Dyskalkulie in der Vorstellung sehr schwierig.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich\nhabe mit S eine Rechenmaschine aus Organza-S\u00e4ckchen und Glassteinen\ngebaut. Damit konnte S der Addition besser folgen, denn man tauscht\nnicht zehn Einerkl\u00f6tzchen gegen einen Zehnerstab, sondern bef\u00fcllt\nS\u00e4ckchen, und die Steine sind noch zu sehen. Dass man in der\nZehnerstelle die vollen S\u00e4ckchen und in der Einerstelle die\neinzelnen Steine durch Ziffern darstellt, konnte S gut verstehen und\nselbst durchf\u00fchren.<\/p>\n\n\n\n<p>Wir\nwerden darauf nach den Weihnachtsferien zur\u00fcckkommen.<\/p>\n\n\n\n<p>Es\nist unerl\u00e4sslich, dass S eine solche Vorstellung dauerhaft\nabspeichert.<\/p>\n\n\n\n<p>S\nhat auch die Partnerzahlen, die zusammen 10 ergeben, vergessen.<\/p>\n\n\n\n<p>Ebenso\nbeherrscht S die anderen Zerlegungsaufgaben im Zahlenraum bis 10 \nnicht mehr, sodass auch bei der schriftlichen Addition und\nSubtraktion gez\u00e4hlt werden muss.<\/p>\n\n\n\n<p>S\nist sehr verunsichert.<\/p>\n\n\n\n<p>Wir\nm\u00fcssen die Intermodalit\u00e4t f\u00f6rdern, um S den Bezug von Menge, Zahl\nund Schreibweise zu verdeutlichen.<\/p>\n\n\n\n<p>Eine\nBehinderung des Erfassens der Aufgaben durch sprachliche Defizite\nund\/oder unzureichende Alltagserfahrungen stelle ich nicht fest.<\/p>\n\n\n\n<p>Es\nist f\u00fcr S sehr belastend, dass sie so viele Zahlenkombinationen\nauswendig lernen muss. Es f\u00e4llt ihr massiv schwer, sodass sie mutlos\nund vermeidend agiert.<\/p>\n\n\n\n<p>Leider\nbereitet es S sogar im therapeutischen Setting mit hohen haptischen\nund anschaulichen Vermittlungsanteilen sehr schwer, neue\nRechenalgorithmen zu erlernen. Wir geraten immer noch oft an Ss\nGrenzen der Belastbarkeit, so dass sich ihre psychische Anspannung\ninzwischen bisweilen trotz ihrer hohen Eigenmotivation in aversiv\nget\u00f6ntem Arbeitsverhalten niederschl\u00e4gt.<\/p>\n\n\n\n<p>Neben\ndem o. g. Aufbau der Mengenvorstellung, die ein alltagsorientiertes\nKopfrechnen erm\u00f6glicht, m\u00fcssen wir die Grundrechenalgorithmen\nstetig wiederholen, damit S dar\u00fcber sicher verf\u00fcgt, denn diese\nRechenwege wird sie fortw\u00e4hrend in der Schule ben\u00f6tigen.<\/p>\n\n\n\n<p>S\nsteht jetzt in der Schule vor der Situation, dass sie in der\nMultiplikation und Division noch nicht auf dem Stand der vierten\nKlasse ist, das 1&#215;1 kaum auswendig beherrscht. Das ist frustrierend\nf\u00fcr S und darf nicht in Resignation m\u00fcnden. \n<\/p>\n\n\n\n<p>Sachaufgaben\nm\u00fcssen wir sp\u00e4terhin \u00fcben, da sie sich S nur bedingt erschlie\u00dfen\nkann, weil S zu wenig \u00dcbung darin hat, die vorgegebene\nAlltagssprache den geforderten Rechenoperationen zuzuordnen.\nAllerdings hilft es S sehr, wenn man die Sachverhalte im Rollenspiel\nverdeutlicht und\/oder auf der ikonischen Ebene mit Hilfe von Skizzen\ndarstellt. Das ist ein Kompetenzzuwachs dahingehend, dass S die\nOperation nicht mehr immer auf der haptischen Ebene erfahren muss.<\/p>\n\n\n\n<p>Es\nbleibt abzuwarten, wie die Lehrkr\u00e4fte mit Ss Wissensl\u00fccken aus dem\nGrundschulcurriculum umgehen werden. Es beruhigt mich aber, dass S\nihre Lehrer\/innen sehr sch\u00e4tzt, was f\u00fcr ein so sensibles Kind wie S\nin dieser Gesamtsituation sehr hilfreich ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein\nbesonderes Augenmerk ist darauf zu halten, wie an der IGS P mit dem\nNachteilsausgleich umgegangen wird (s. Vorbericht). Auf Nachfrage von\nSs Mutter hin hatte der Schulleiter die Auskunft gegeben, dass es\nkeinen Nachteilsausgleich, sondern F\u00f6rderpl\u00e4ne gebe.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein\nF\u00f6rderplan macht nat\u00fcrlich Sinn, aber S hat keinen\nsonderp\u00e4dagogischen F\u00f6rderbedarf. Deswegen muss sie gef\u00f6rdert\nwerden, aber muss trotzdem als Nachteilsausgleich z. B. eine\n1&#215;1-Karte benutzen d\u00fcrfen bzw. mehr Zeit bei Tests bekommen.<\/p>\n\n\n\n<p>Es\nw\u00e4re fatal, wenn S in der Inklusionsklasse auf dem Niveau der\nbisherigen F\u00f6rderschule f\u00fcr lernschwache Sch\u00fcler\/innen\nunterrichtet und bewertet w\u00fcrde.<\/p>\n\n\n\n<p>Ss\nneurokognitive Ged\u00e4chtnisl\u00fccken f\u00fcr mathematische Inhalte sind\nbedenklich, so dass in der Therapie neben der o. g.\nKompetenzerweiterung der behandelte Stoff kontinuierlich wiederholt\nwerden muss.<\/p>\n\n\n\n<p>Familie\nT erh\u00e4lt eine Zweitschrift dieses Berichts.<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr\nR\u00fcckfragen stehe ich gerne zur Verf\u00fcgung.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich\nhoffe, Sie mit diesen Angaben unterst\u00fctzt zu haben, und verbleibe<\/p>\n\n\n\n<p>mit\nfreundlichem Gru\u00df<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Dipl.-P\u00e4d.\nFriederike Ch. Andr\u00e9s-Moysich<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>  <em><strong>Abschlussbericht (Drittbewilligung)<\/strong><\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Sehr\ngeehrte Frau J,<\/p>\n\n\n\n<p>heute m\u00f6chte ich Ihnen wieder von Ss Dyskalkulie-Therapie berichten. Ich beziehe mich wieder auf meine Vorberichte.<\/p>\n\n\n\n<p>Vom\naktuellen Kontingent haben wir inzwischen 37 TE verbraucht.<\/p>\n\n\n\n<p>Ss\nausgepr\u00e4gte Form der Dyskalkulie, die u. a. durch die enorme\nProblematik des fortw\u00e4hrenden Vergessens determiniert ist, macht S\nimmer noch regelm\u00e4\u00dfig mutlos.<\/p>\n\n\n\n<p>Familie\nT kann S nur bedingt helfen, sodass es im h\u00e4uslichen \u00dcben oft zu\nTr\u00e4nenausbr\u00fcchen kommt, dieses besonders bei der Vorbereitung von\nTests.<\/p>\n\n\n\n<p>Es\nstellt sich zwar mittlerweile so dar, dass S meistens dem schulischen\nUnterrichtsstoff insoweit folgen kann, dass sie mir ungef\u00e4hr\nwiedergeben kann, was aktuell durchgenommen wird, aber S st\u00f6\u00dft\nwiederholt an ihre Grenzen, da sie noch immer nicht \u00fcber das\naltersspezifische rechnerische und mathematische Grundwissen verf\u00fcgt.<\/p>\n\n\n\n<p>Dieses\nkann trotz der Beschulung in einer relativ kleinen Integrationsklasse\nauf der IGS P nicht vollst\u00e4ndig aufgefangen werden, was die\nLehrerinnen zu bedenken geben.<\/p>\n\n\n\n<p>Es\nfindet ein guter kollegialer Austausch mit Ss Mathematik-Lehrerin\nFrau G statt.<\/p>\n\n\n\n<p>Wenn\nS zeitweilig bei Verst\u00e4ndnisproblemen keine Eins-zu-Eins-Betreuung\nin der Klassensituation bekommen kann, d. h. Fachlehrerin und\nF\u00f6rderschulkollegin sich intermittierend nat\u00fcrlich auch den\nMitsch\u00fcler\/innen zuwenden, dekompensiert S oft, ist unb\u00e4ndig\ntraurig und zeigt manchmal sogar in ihrer gro\u00dfen Mutlosigkeit\naversive Verhaltensmuster.<\/p>\n\n\n\n<p>Diese\nProblematik tritt in der Therapie nicht mehr auf, da S selbstredend\nkontinuierlich  die Hilfe bekommt, die sie ben\u00f6tigt und auch aktiv\nsucht. Ihre aversiven in den Vorberichten beschriebenen Tendenzen\nsind im therapeutischen Setting  v o l l s t \u00e4 n d i g \nverschwunden.<\/p>\n\n\n\n<p>Dieser\nFortschritt in der Selbststeuerung muss noch in den h\u00e4uslichen und\nschulischen Kontext \u00fcbertragen werden (systemische Sichtweise).<\/p>\n\n\n\n<p>Hier\nist insofern ein Fortschritt zu erkennen, als Ss Abneigung gegen\nRechnen und Mathematik fr\u00fcher so ausgepr\u00e4gt war, dass sie sich\nbisweilen sogar in der Einzeltherapie verweigert hatte.<\/p>\n\n\n\n<p>Nun\naber kann ich S im lerntherapeutischen Gespr\u00e4ch gut auffangen, wenn\nsie unter ihren Selbstzweifeln begraben zu werden droht, sodass wir\nden weit \u00fcberwiegenden Anteil der TE f\u00fcr symptomspezifisches \u00dcben\nnutzen k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p>Dadurch\nkonnte S nun die grundlegende Orientierung im dekadischen\nPositionssystem dauerhaft speichern, sodass sie Einer, Zehner und\nHunderter nicht mehr verwechselt.<\/p>\n\n\n\n<p>Aufgrund\nihrer Richtungsst\u00f6rung im Ziffernumgang und ihrer auditiven\nKurzspeicherungsschw\u00e4che kann sich S aber noch nicht sicher im\nZahlenraum bis zu 1.000.000 orientieren, da die Nomenklatur noch zu\nkomplex f\u00fcr sie ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Um\ndiese gravierende Zahlbegriffsschw\u00e4che, deren Ursache in mangelnder\ninnerer Vorstellungsrepr\u00e4sentation des vergr\u00f6\u00dferten Zahlenraums zu\nfinden ist, zu beheben und den Umgang mit Zahlen zu automatisieren,\nm\u00f6chte ich um weitere\/n Raum und Zeit f\u00fcr S bitten.<\/p>\n\n\n\n<p>Den\nAnschluss an das Klassengeschehen hat S in Algebra bei weitem noch\nnicht erreichen k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p>Zwangsl\u00e4ufig\nf\u00fchrt die verbliebene Unsicherheit in der Struktur der ganzen Zahlen\ngerade zu erheblichen Problemen im altersgem\u00e4\u00df geforderten Umgang\nmit Dezimalzahlen.<\/p>\n\n\n\n<p>Bruchrechnung\nmit Br\u00fcchen aus einstelligen und \u00fcberschaubaren zweistelligen\nZiffern als Grundlage f\u00fcr die Dezimalbruchrechnung hat S zwar\ndurchdrungen, aber wegen ihres massiv beeintr\u00e4chtigten\nArbeitsged\u00e4chtnisses ist es ihr nicht m\u00f6glich, Zusammenh\u00e4nge wie\nbeispielsweise \u00bc = 0,25 auswendig zu speichern.<\/p>\n\n\n\n<p>Dadurch\nmuss S sich diese Aufgaben immer wieder via schriftlicher Division\nerrechnen, wobei sie aber zwangsl\u00e4ufig in Verwirrung ger\u00e4t, weil\nsie erstens den Algorithmus der schriftlichen Division noch nicht\nauswendig beherrscht und das Rechnen mit Kommazahlen per se schwierig\nist.<\/p>\n\n\n\n<p>Die\nschriftliche Division konnte S in der Schule gar nicht verstehen,\nsodass wir mehrere TE hatten darauf verwenden m\u00fcssen, um mit Hilfe\nanschaulichen haptisch erfassbaren Materials die Verst\u00e4ndnisprobleme\nzu beheben.<\/p>\n\n\n\n<p>W\u00e4hrenddessen\nkonnten wir uns nur eingeschr\u00e4nkt der Aufarbeitung der im\nTherapieplan beschriebenen L\u00fccken widmen.<\/p>\n\n\n\n<p>Einfache\nAdditionsaufgaben im Zahlenbereich bis 100 kann S mit\nMontessorimaterial jetzt im Kopf l\u00f6sen, wenn kein Zehner\u00fcbergang\nenthalten ist. Bei Subtraktionsaufgaben gelingt es ihr nicht.\nLetztere und Additionsaufgaben mit Zehner\u00fcbergang sowie gr\u00f6\u00dferen\nZahlen muss S schriftlich l\u00f6sen, was immer viel Zeit kostet.\nHintergrund ist hier auch, dass S die Partnerzahlen, die zusammen 10\nergeben, immer wieder vergisst, wenn sie sie nicht fortw\u00e4hrend\nwiederholt.<\/p>\n\n\n\n<p>Zudem\nsteht S in Tests nicht die M\u00f6glichkeit der Nutzung anschaulichen\nMaterials zur Verf\u00fcgung, da dieses viel zu viel Zeit in Anspruch\nn\u00e4hme, indem die durch den durchaus gew\u00e4hrte Nachteilsausgleich\nerweiterte Bearbeitungsszeit nicht hinreichen w\u00fcrde.<\/p>\n\n\n\n<p>In\nSs Altersstufe wird aber grundlegendes Kopfrechnen vorausgesetzt.\nEine Zeitzugabe von zehn Minuten pro Test als praktizierter\nNachteilsausgleich reicht hier nicht hin, zumal weitere fachliche\nSchwierigkeiten bestehen, die auch zus\u00e4tzliche Zeit in Anspruch\nnehmen.<\/p>\n\n\n\n<p>Deswegen\nsollte S bitte die M\u00f6glichkeit gew\u00e4hrt werden, sich in weiteren TE\neinem Automatisierungstraining unterziehen zu d\u00fcrfen.<\/p>\n\n\n\n<p>Dadurch\nsoll S lernen, sich das Montessori-Material ikonisch im Kopf\nvorzustellen, weil der reine Umgang mit Zahlen in Ziffern bei\nDyskalkuliker\/innen wegen der \u201eZiffernblindheit\u201c nicht ohne eine\ngeistige Repr\u00e4sentanz bildhafter Vorstellungen funktionieren kann.<\/p>\n\n\n\n<p>Hierneben\nm\u00fcssen aber die schriftlichen Algorithmen der Grundrechenarten\nunbedingt fortw\u00e4hrend trainiert werden, damit S diese auf keinen\nFall vergisst. \n<\/p>\n\n\n\n<p>Seit\nS durch unsere gemeinsame Arbeit im Bereich der ganzen Zahlen\nweitestgehend stellenwertsicher ist, also die Zehnerb\u00fcndelung\nbeherrscht, f\u00fchrt sie diese Rechenverfahren nicht mehr rein\nmechanisch aus, aber ger\u00e4t trotzdem bedingt durch ihre starke\nDyskalkulie nach Phasen wie Geometrie, in denen nicht gerechnet wird,\nmit den Schreibweisen durcheinander.<\/p>\n\n\n\n<p>Wir\nbrauchen also bitte auch Zeit, um Ss Intermodalit\u00e4t zu f\u00f6rdern.<\/p>\n\n\n\n<p>Ss\nneurokognitive Ged\u00e4chtnisl\u00fccken f\u00fcr mathematische Inhalte sind\nbedenklich, so dass in der Therapie neben der o. g.\nKompetenzerweiterung kontinuierlich wiederholt werden muss.<\/p>\n\n\n\n<p>Dadurch\nwird es S sukzessive leichter fallen, das 1 x 1 zu behalten.\nDerzeitig macht es S mutlos, dass sie die Reihen trotz intensiven\nh\u00e4uslichen \u00dcbens wieder vergisst. Das ist frustrierend f\u00fcr S und\ndarf nicht in Resignation m\u00fcnden. \n<\/p>\n\n\n\n<p>Sachaufgaben\nkonnten wir uns zu wenig zuwenden.<\/p>\n\n\n\n<p>Der\nAnspruch an das Verst\u00e4ndnis ihrer Komplexit\u00e4t ist inzwischen\njahrgangsstufenbedingt weit h\u00f6her, als S ihm stand halten kann.<\/p>\n\n\n\n<p>Hierf\u00fcr\nurs\u00e4chlich sind:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\"><li>mangelnde\n\tEinsicht in die Sachstruktur\n\t<\/li><li>eingeschr\u00e4nkter\n\t\u00dcbertrag der dekodierten sprachlich-syntaktischen Struktur auf den\n\tZusammenhang zwischen realer Handlung und mathematischer Operation\n\t<\/li><li>operative\n\tAbstraktionsschw\u00e4che\n\t<\/li><li>mangelnde\n\toperative Flexibilit\u00e4t\n<\/li><\/ul>\n\n\n\n<p>S\nhat zu wenig \u00dcbung darin, die vorgegebene Alltagssprache den\ngeforderten Rechenoperationen zuzuordnen. Zwar hilft es S sehr, wenn\nman die Sachverhalte auf der ikonischen Ebene mit Hilfe von Skizzen\ndarstellt, aber das ist mit den aktuellen Aufgaben kaum mehr zu\nleisten.<\/p>\n\n\n\n<p>Auch\nwird hier deutlich, dass S gro\u00dfe Schwierigkeiten im Umgang mit\nMa\u00dfeinheiten wie [g], [kg], [t] u. a. als altersgem\u00e4\u00df geforderte\nEinheiten hat. Der Umgang mit [mg] und anderen Dezimalangaben ist\nfolglich unm\u00f6glich.<\/p>\n\n\n\n<p>Mathematische\nSachverhalte im Alltag zu durchdringen und die erlernten\nRechenverfahren darauf anzuwenden, ist aber eine Basisqualifikation\nf\u00fcr die selbstbestimmte Teilhabe am gesellschaftlichen Leben.<\/p>\n\n\n\n<p>Gerade\nein sensibler Mensch wie S l\u00e4uft andernfalls gro\u00dfe Gefahr, sich im\nErwachsenenalter in randst\u00e4ndischer Position in der Gesellschaft\nwiederzufinden.<\/p>\n\n\n\n<p>Im\nFazit hoffe ich, Ss Situation hinreichend dahingehend dargelegt zu\nhaben, dass es Ihnen, liebe Frau J, m\u00f6glich ist, \u00fcber den durch\nFamilie T f\u00fcr S gestellten Folgeantrag positiv zu befinden.<\/p>\n\n\n\n<p>Familie\nT erh\u00e4lt eine Zweitschrift dieses Berichts.<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr\nR\u00fcckfragen stehe ich gerne zur Verf\u00fcgung.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich\nhoffe, Sie mit diesen Angaben unterst\u00fctzt zu haben, und verbleibe<\/p>\n\n\n\n<p>mit\nfreundlichem Gru\u00df<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Dipl.-P\u00e4d.\nFriederike Ch. Andr\u00e9s-Moysich<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p style=\"text-align:center\"> -______________________________-<\/p>\n\n\n\n<p><em><strong>Therapieplan (Viertbewilligung)<\/strong><\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Die Therapieinhalte ergeben sich direkt aus dem  vorstehenden Abschlussbericht der zweiten Therapiephase.<\/p>\n\n\n\n<p style=\"text-align:center\">-______________________________-<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Abschlussbericht (Viertbewilligung)<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Sehr geehrte Frau L,<\/p>\n\n\n\n<p>mit herzlichem Dank f\u00fcr die gute Zusammenarbeit m\u00f6chte ich Sie heute wieder wissen lassen, wie sich S im Verlaufe der Lerntherapie entwickelt hat.<\/p>\n\n\n\n<p>Vom\naktuellen Kontingent haben wir inzwischen 36 TE verbraucht.<\/p>\n\n\n\n<p>Ss Mutlosigkeit ist durch ihre nun stetig erlebten Erfolgerlebnisse gewichen.<\/p>\n\n\n\n<p>Den durch ihre starke Dyskalkulie bedingten Anforderungen stellt sich S fortw\u00e4hrend mit hoher Motivation.<\/p>\n\n\n\n<p>Im Zuge der Steigerung ihrer Fertigkeiten  ist Ss Frustrationstoleranz deutlich gewachsen.<\/p>\n\n\n\n<p>Dem schulischen Unterrichtsstoff kann S nun insoweit folgen, dass ich zu der Einsch\u00e4tzung gekommen bin, dass S fortan nur noch eine intermittierende Unterst\u00fctzung durch klassische Nachhilfe ben\u00f6tigt.<\/p>\n\n\n\n<p>S hat die Regelhaftigkeit der Multiplikation der Tausender und Zehn-\/ Hunderttausender sowie gr\u00f6\u00dferer glatter Zahlen mit Hilfe von Anschauungsmaterial durchdrungen und beherrscht nun die nomenklaturbedingten Algorithmen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Auswirkungen ihrer Richtungsst\u00f6rung im Ziffernumgang und ihrer auditiven Kurzspeicherungsschw\u00e4che wirken sich nicht mehr erfolgsverhindernd darauf aus, sich im Zahlenraum bis zu 1.000.000 orientieren.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Zusammenahng von Multiplikation und Division ist seitens S verstanden.<\/p>\n\n\n\n<p>S bewegt sich nun auch sicher in der Bruch- und Dezimalbruchrechnung, braucht hier aber eine fortw\u00e4hrende Wiederholung, weil ihr dyskalkuliebedingt noch keine Internalisierung gelungen ist (\u2192 Nachhilfe, h\u00e4usliches \u00dcben).<\/p>\n\n\n\n<p>Zusammenh\u00e4nge\nwie beispielsweise \u00bc = 0,25 m\u00fcssen regelm\u00e4\u00dfig aufgefrischt werden\n(\u2192 h\u00e4usliches Merktraining).<\/p>\n\n\n\n<p>Additions- und Subtraktionsaufgaben im Zahlenbereich bis 100 kann S nun besser im Kopf l\u00f6sen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Akzeptanz der aber noch stark geminderten F\u00e4higkeit im Kopfrechnen ist gestiegen, obwohl diese Grenzen schwer auszuhalten sind. Aber S ist sehr versiert darin, sich bei entsprechenden Schwierigkeiten der schriftlichen Rechenverfahren zu bedienen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die schriftlichen Algorithmen der Grundrechenarten m\u00fcssen auch nach der Lerntherapie fortw\u00e4hrend trainiert werden, damit S diese auf keinen Fall vergisst, denn durch ihre starke Dyskalkulie l\u00e4uft S sonst Gefahr, nach Phasen wie Geometrie, in denen wenig gerechnet wird, mit den Schreibweisen durcheinanderzukommen.<\/p>\n\n\n\n<p>Ss neurokognitive Ged\u00e4chtnisl\u00fccken f\u00fcr mathematische Inhalte haben sich aber verringert.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Verst\u00e4ndnis f\u00fcr Sachaufgaben hat sich positiv entwickelt: Steigerung der Einsicht in die Sachstruktur, besserer \u00dcbertrag der dekodierten sprachlich-syntaktischen Struktur auf den Zusammenhang zwischen realer Handlung und mathematischer Operation, weiterentwickelte Abstraktionsf\u00e4higkeit und erweiterte operative Flexibilit\u00e4t. S bringt Altagssprache und geforderte Rechenoperationen besser zusammen.<\/p>\n\n\n\n<p>Ss Unsicherheiten im Umgang mit [g], [kg], [t] u. a. altersgem\u00e4\u00df geforderten Einheiten muss fortw\u00e4hrend wiederholt werden \u2013 besonders die Umrechnung und die Vorstellung der Mengen (Alltagsbezug).<\/p>\n\n\n\n<p>Ss Selbstwerterleben hat sich erheblich positiviert, sodass ich sie auf der Basis des vorstehend Dargelegten aus der Lerntherapie entlassen kann.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich\nweise aber der wissenschaftlichen Vollst\u00e4ndigkeit wegen darauf hin,\ndass es selbstredend zu Regressionen kommen kann, die eine\nWiederaufnahme der Lerntherapie notwendig machen w\u00fcrden.<\/p>\n\n\n\n<p>Familie T. erh\u00e4lt eine Zweitschrift diesen Berichts.<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr\nR\u00fcckfragen stehe ich gerne zur Verf\u00fcgung.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich\nhoffe, Sie mit diesen Angaben unterst\u00fctzt zu haben, und verbleibe<\/p>\n\n\n\n<p>mit\nfreundlichem Gru\u00df<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Dipl.-P\u00e4d.\nFriederike Ch. Andr\u00e9s-Moysich<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Rechenst\u00f6rung (Dyskalkulie) M\u00e4dchen, 10 Jahre DOKUMENTATION f\u00fcr den \u00f6ffentlichen Tr\u00e4ger der Eingliederungshilfe Therapieplan &amp; Abschlussbericht wg. Einrichtungswechsels (Erstbewilligung) Sehr geehrte Frau J, heute m\u00f6chte ich Ihnen berichten \u00fcber meine lerntherapeutische Behandlung von S T. Inzwischen hat S b e i m i r nach dem Wechsel in meine Praxis an 7 TE teilgenommen. 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